H-Wurf Tagebuch Woche 4

Donnerstag 04.07.2024 25. Lebenstag

Für uns ist heute ein richtig guter Tag.

Wir hatten ja berichtet, unser Keller war mit Kanalwasser voll gelaufen.
Die letzten Tage ging es bei uns ziemlich zu, aber jetzt sind wir vorerst fertig.
Alles verräumt, geputzt und desinfiziert. Jetzt muss es nur noch trocknen.

Und die Bärchen?!?

Denen geht es gut keine Sorge, sie wurden immer versorgt wie es sein muss.
Allerdings haben wir die letzten Tage kaum Bilder gemacht.

Aber jetzt geht es wieder richtig los, versprochen.

Tja, mit Beginn der 4. Lebenswoche sind die Bärchen in der sogenannten Prägungsphase, 4 – 7. Lebenswoche

Augen, Nase und Ohren sind nun voll entwickelt. In dieser Zeit lernt der Welpe im Idealfall mit ganz unterschiedlichen Eindrücken (Menschen, Geräuschen, optischen Eindrücken etc.) umzugehen. Er nimmt sein Umfeld bewusst wahr und lernt seine Sozialpartner kennen.

Im Spiel mit seinen Wurfgeschwistern lernt er seinen sozialen Rang zu finden und sich und die anderen auszutesten. In dieser Zeit wird seine Persönlichkeit und sein Temperament geprägt.

Wird in dieser Zeit ein Welpe isoliert gehalten und mit keinerlei Eindrücken bzw. Sozialpartnern zusammen gebracht, kommt es mit größer Wahrscheinlich später zu Sozialisierungsproblemen die man nur noch schwer aufarbeiten kann.

In dieser Phase üben Welpen spielerisch soziale Verhaltensweisen.
Es ist eine wichtige Phase zur Prägung auf

  • Lebewesen
  • Gegenstände
  • Geräusche
  • Gerüche

In dieser Phase erfolgt der Übergang vom Reflexverhalten zum Instinktverhalten, d.h. der Welpe beginnt die in seinen Erbanlagen verankerten instinktiven Verhaltensmuster zu üben.
Er entwickelt seine sensorischen Fähigkeiten weiter, d.h. man bemerkt gezielte Reaktionen auf verschiedene Sinneswahrnehmungen.
Zudem entwickelt er sich motorisch weiter, er verbesserte seine Koordination und verfeinert seine Bewegungen.

In dieser Phase sollen Welpen möglichst viele positive Erfahrungen machen.
Sie sind sehr neugierig und sind, zwar teilweise vorsichtig, jedoch noch ziemlich Angst frei.
Sie erkunden und probieren.

In dieser Phase sollte man ihnen viele Möglichkeiten zum Erkunden und probieren geben.

Aber warum ist es so wichtig in dieser Phase viele positive Erfahrungen zu machen?!?

Das Nervensystem des Welpen entwickelt sich allmählich. Zwischen den Nervenzellen gibt es Verbindungen, wodurch die Nervenzellen vernetzt werden.
Durch diese Vernetzungen werden im Gehirn Erfahrungen abgespeichert.
Umso mehr Vernetzungen vorhanden sind, umso mehr Erfahrungen werden abgespeichert.
Diese Vernetzungen gehen mit dem Wachstum des Gehirnes einher, das bedeutet in der Phase in der das Gehirn wächst können sehr gut Vernetzungen angelegt werden, ist das Wachstum abgeschlossen kommt es nur noch verringert zu Vernetzungen.
Die einzelnen Nervenzellen sind nicht direkt miteinander verbunden, sondern der Reiz von einer Nervenzelle zur nächsten wird durch Neurotransmitter übertragen.
Es gibt eine Vielzahl von Neurotransmittern die für die Übertragung bestimmter Reize zuständig sind.
Somit sind viele verschiedene Reize erforderlich um die entsprechenden verschiedenen Neurotransmitter zu produzieren.

Der hauptsächliche Teil der Entwicklung der Nervenzellen und der Neurotransmitter findet in dem Alter statt, in dem die Welpen beim Züchter aufwachsen.
Wächst ein Welpe in einer Reizarmen Umgebung beim Züchter auf verlangsamt sich die Vernetzung der Nervenzellen und reduziert sich die Produktion von Neurotransmittern.
Irgendwann ist diese Entwicklung dann abgeschlossen und der in reizarmer Umgebung aufgewachsene Hund ist bedeutend weniger belastbar im Bezug auf Reize.
Diese Entwicklung ist nicht mehr korrigierbar.
Solch aufgewachsene Hunde zeigen Ängstlichkeit, Unsicherheit, Verhaltensauffälligkeiten und sogar motorische Störungen.

Deshalb!

Erreicht wird eine gute Prägung durch zwei hauptsächliche Vorgehensweisen.

Einmal die Habituation!

Als Habituation bezeichnet man die Gewöhnung an die unbelebte Natur.
Dies beginnt schon in der Übergangsphase mit möglichst vielen Geräuschen.
Stimmen, Staubsauger, Fernseher, Geräusche-CDs sind nur einige Beispiele.
Diese Umweltreize und Geräusche aus der unbelebten Umwelt werden genauso abgespeichert wie Reize aus der belebten Umwelt. Der Welpe soll Gegenstände, Ereignisse und Geräusche erleben, aufnehmen und erkunden und sie als nicht wichtig einordnen und so negative Reaktionen wie Angst oder Unsicherheit nicht aufkommen lassen.
Gewöhnung bedeutet in diesem Zusammenhang, Nichtbeantwortung von Reizen.
Das Klingeln des Telefons wird als nicht interessant, da es nicht gefährlich ist, aber auch nicht positiv besetzt ist, eingeordnet und somit künftig gelassen ignoriert.

Und zum Zweiten durch das Tradieren!

Die Hündin hat einen erheblichen Einfluss auf die Verhaltensentwicklung ihrer Welpen.
Durch ihr Verhalten in verschiedenen Situationen legt sie Verhaltensmuster bei ihren Welpen an, die das zukünftige Verhalten des Hundes bedingen.
Am Verhalten der Hündin orientieren sich die Welpen und ahmen es nach.
Dieses Erlernen von Verhaltensmustern wird als Tradieren bezeichnet.
Dies ist ein sehr wichtiger Schritt in der Verhaltensevolution, er bedeutet ein Individuum muss nicht alle Erfahrungen selber machen, sondern gibt die gemachten Erfahrungen an die Nachkommen weiter.
Dabei findet die Weitergabe sowohl von vererbten, als auch von erworbenen Erfahrungen statt.
Dabei muss beachtet werden, bei der Weitergabe der erworbenen Erfahrungen werden nicht nur die, nach unserer Ansicht positiven Verhaltensmuster, sondern auch die negativen Verhaltensmuster weitergeben.
So kann die Hündin etwa eine erworbene Gewitterangst ebenso an die Welpen weitergeben, wie das Kommen auf einen Pfiff.
Man sollte also, wenn Situationen geübt werden, in denen die Hündin ein unerwünschtes Verhalten zeigt, die Hündin von den Welpen trennen und sie durch ein Rudelmitglied austauschen, dass ein gewünschtes Verhalten in der entsprechenden Situation zeigt. Ist kein Rudelmitglied mit gewünschtem Verhaltensmuster verfügbar müssen wir diese Aufgabe übernehmen und mit sicherem, ruhigem Verhalten auftreten.

Puuuh! Heyko, so viel Theorie, muss das sein?

Ich denke ja, ihr sollt doch auch verstehen, was wir die nächsten Wochen alles mit den Welpen machen.

Okay hier noch ein paar Bilder und Videos.

Wichtig für uns ist das hier.

Okay, etwas größer.

Das ist ein Lautsprecher mit Akku. Musik Dateien kann man auf eine MicroSD-Karte speichern und damit abspielen.

Wir haben auf dieser Karte unsere ganzen Geräusche-CD's gespeichert.
Haushaltsgeräusche wie Blubbern einer Kaffeemaschine oder eine Türklingel. Aber auch Verkehrslärm, spielende und schreiende Kinder bis hin zu Aufnahmen von Gewittern und Feuerwerk.
Alles sind Original Aufnahmen, keine nachgemachten Filmgeräusche.

Diesen Musik-Würfel kann ich überall hin mitnehmen, er wird die Bärchen jetzt die nächsten Wochen begleiten.

Er dient der Habituation.

Und jetzt ein Video.
Gestern haben wir den zweiten Teil unserer Wurfkiste für die Welpen geöffnet.

Für die Bärchen war es Neuland und sie waren schon etwas unsicher, seht selber.

Aber dann hat Gaia geholfen, das ist ein Beispiel für Tradieren.

So ihr Lieben das war es für heute, das nächste Mal mehr Bilder, weniger Theorie, versprochen.